Dr. Carola Holweg - PFC - Mit Pflazenkohle aus der Krise

Dr. Carola Holweg

Frau Dr. Carola Holweg ist eine Ausnahmeerscheinung. Als Selbstständige, die mit Universitäten, Unternehmen und Institutionen zusammenarbeitet, konzipiert sie Nachhaltigkeitsprojekte zur Schonung knapper Umweltgüter und zur Förderung der sozialen Verträglichkeit.
Schwerpunkt ihrer zahlreichen Umweltprojekte ist der Einsatz der Pflanzenkohle in der Landwirtschaft - beispielsweise im biologischen Weinbau - und in anderen Projekten.
Sie hält auf dem 6. Zukunftsmarkt des Grünen Forum Baden e.V. am 7. Mai um 14 Uhr ihren Vortrag zum Thema „PFC – mit Pflanzenkohle aus der Krise?“

Unsere Redaktion befragte die Wissenschaftlerin zu diesem Thema, das das derzeit wohl wichtigste Umweltproblem im Landkreis betrifft.

  1. Red: Halten Sie die PFC-Belastung der Böden und des Grundwassers im Landkreis Rastatt für einzigartig – oder hat man weltweit nur noch nicht ausreichend gemessen?
    CH: Weltweit könnten das nur verstärkte Messungen herausfinden. Nach den ausgedehnten Stichprobenuntersuchungen des LUBW zu urteilen, gibt es in Baden-Württemberg keine weiteren flächenhaften Belastungen.
  2. Red: Welche Eigenschaften/Bestandteile der Pflanzenkohlen reagieren auf PFC ?
    CH: Pflanzenkohlen mit besonders hoher Bindekapazität ergeben sich aus Pflanzenmaterialien mit hoher Dichte, beispielsweise Hölzer. Aber auch andere Materialien wie z.B. Schalen von Nüssen oder Kernobst können sich gut eignen. Auch zeigen Verkohlungsprozesse mit höheren Temperaturen als 700 C meist bessere Ergebnisse.
  3. Red: Welche Ziele verfolgt das neu gegründete PFC-Pflanzenkohle-Konsortium?
    CH: Dieser Interessenskreis hält es für möglich, dass der Einsatz von Pflanzenkohle das PFC-Problem mindern könnte. Der neue Weg ist, Pflanzenkohle direkt in Böden anzuwenden. Holzkohle zur Bodenverbesserung ist auch in Europa Tradition, wurde aber erst im Zuge der Erforschung von „Terra preta“ wieder bekannter. Die Forschergruppe bemüht sich um Fördermittel.
  4. Red: Welche Forschungsergebnisse erwarten Sie – und sehen Sie Chancen für den Landkreis Rastatt?
    CH: Pflanzenkohle kann einen noch ungewissen Teil PFC festhalten, aber die Verbindung selbst bleibt ja. Der Weitertransport, sowohl zum Grundwasser als auch zu den Pflanzen hin, wäre aber geringer.
  5. Red: Welche Sofortmaßnahmen sollten Ihrer Meinung nach im Landkreis Rastatt ergriffen werden?
    CH: Im Landkreis wird bereits nach Lösungen auf allen Ebenen gesucht, um das Risiko zu begrenzen. Die bislang recht positiven allgemeinen Erfahrungen mit der Pflanzenkohle sollten konkret auf kleinen Standorten getestet werden – in enger Zusammenarbeit mit den Landwirten.
  6. Red: Welche gesetzgeberischen Maßnahmen müssten aus Ihrer Sicht erfolgen, um solche Verseuchungen in Zukunft möglichst auszuschließen?
    CH: Ein Verbotserfolg wie damals bei FCKW wäre wünschenswert. Und bis dahin schon jetzt auf die Suche nach Alternativen gehen, wie das Antje von Drewitz, Geschäftsführerin des Outdoor-Kleidung-Unternehmens VAUDE, schon tut.

 

Für Rückfragen:
Frohmut Menze, Pressesprecher Grünes Forum Baden e.V., Waldstraße 17, 77839 Lichtenau, frohmut@menze.de, 07227 992731, 0173 909 97 08